Stahlwerk Cockerill HFB

Der Besuch eines alten Stahlwerkes ist einer der Höhepunkt der Lost Place Fotografie. Dieser Ort schaut auf rund 200 Jahre Industriegeschichte zurück.

 

1816 waren die Cockerills bereits über die Grenzen Belgiens angesehen. Ihre Betriebe produzierten bereits Dampfmaschinen und Pressen.

 

John Cockerill konnte den König des Vereinigten Königreichs der Niederlande überzeugen, die Wirtschaft Belgiens nachhaltig durch Aufbau von Stahlunternehmungen zu beleben. Mit der Unterstützung des Königs entstanden weitere Produktionsstandorte in Searing, u. a. eine Gießerei mit Kupolöfen und eine Maschinenfabrik. Die Produkte der Cockerills genossen früh einen hervorragenden Ruf und wurden nach den modernsten Verfahren gefertigt. Recht bald stieg man auch in den Bau von Dampfschiffen ein.

Die Cockerills durften sich rühmen, eins der bedeutendsten Eisenwerke des Kontinents zu betreiben. So kam es, dass auch auf Drängen der Regierung bis 1830 der erste Kokshochofen in Seraing errichtet wurde. Der Staat beteiligte sich großzügig und die Eisenwerke wurde zu einem großen Hüttenwerk modernisiert und ausgebaut. Ein weiteres florierendes Geschäftsfeld waren Waffen, u. a. Kanonen.

 

1830 geriet Cockerill in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Wirtschaft lahmte erneut.

Mühsam errang der Stahlmagnat neue Aufträge und sicherte nach ungewissen Jahren seinem Unternehmen existenzielle Aufträge. Zeitweise baute Cockerill in dieser Phase Motorräder.
 

Doch das stark expandierende Unternehmen geriet bereits 1838 wieder in Not. Eine Finanzkrise setzte der Wirtschaft schwer zu und Cockerill war hiervon aufgrund seiner breiten Aktivitäten stark betroffen. Das Unternehmen schlitterte in die Insolvenz. Ein Neffe von John Cockerill verkaufte sämtliche Werke und Beteiligungen. Nur die Kernwerke in Seraing und Lüttich blieben im Eigentum Cockerills. Gläubiger stundeten Zahlungen und der Staat gewährte erneut Darlehen. Das Unternehmen konnte so gerettet werden. John Cockerill selbst verstarb 1840 auf einer Osteuropareise an Typhus. John Cockerills Erben wandelten das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fusionierte Cockerill mit dem zwei Konkurrenten. Der Name änderte sich zu „S.A. Cockerill-Ougrée“. Die Nachkriegszeit ließ die Geschäfte florieren wie lange nicht und so schritt die Expansion Cockerills rasant voran. 1961 übernahm man Tolmatil, kurz danach auch das spätere Carsid-Hüttenwerk in Charleroi. Das Unternehmen hieß fortan „Cockerill-Ougrée-Providence“. 1969 kaufte Cockerill zwei weiter Werke. Der Name wurde fortan wieder schlanker und das Unternehmen hieß wieder schlicht „Cockerill“. 1981 kam es zum Zusammenschluss mit Hainaut-Sambre und es kam zur Umfirmierung in „Cockerill-Sambre S.A.“ All die Fusionen kamen nicht von ungefähr und waren nicht mehr Zeichen florierender Geschäfte. Es war die Zeit der Stahlkrise und Mehrheitseigner dieser Tage war der belgische Staat. Er hielt 80 Prozent der Anteile und versuchte seine Stahlindustrie zu retten. Die Fusionen waren Teil einer Schrumpfkur. Zwecks Abbaus von Überkapazitäten wurden zahlreiche Hochöfen, Stahlwerke, Walzstraßen und Kokereien stillgelegt.

1994 beteiligte sich Cockerill-Sambre an den Stahlwerken Bremen, ein Jahr später an EKO Stahl. 1998 wurde Cockerill-Sambre seinerseits von der französischen Usinor übernommen und ging 2002 in Arcelor auf.

Heute firmiert Arcelor nach der Übernahme durch Mittal als ArcelorMittal. Das Unternehmen ist heute der größte Stahlkonzern der Welt.

 

Der Hochofenbetrieb in Seraing wurde später stillgelegt und die gesamte Anlage soll abgebrochen werden. Der alte Hochoffen soll als historisches Bauwerk erhalten bleiben.

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